Gestaltpsychologisches Bildmaterial

Vorbemerkung: Die Gestaltpsychologie wendet sich u.a. der weitgehend präkognitiven Reiz- und Erlebnisverarbeitung auf allen Sinneskanälen (!) und letztlich dem subjektiven Erkenntnisprozeß zu. Hier finden Sie ein paar der bekannteren Beispiele aus dem optischen Bereich. (Die Täuschungsfiguren wurden hauptsächlich Ende des 19.ten/ Anf. d.
20.ten Jahrhunderts von Gestaltpsychologen untersucht und von Wolfgang Metzger Mitte d. 20. Jahrh. in seinem Buch „Gesetze des Sehens“ nachanalysiert und gesammelt.)

Wir nehmen nicht „objektiv“, sondern kontextabhängig wahr. Wir registrieren die Teile im Rahmen unseres Wirklichkeitsausschnitts, der uns als Bezugsystem dient, als Relationen, bzw. als Verhältnisgrößen. Wir registrieren Ganzheiten als Beziehungsgefüge – im Innen- wie im Außenraum – und definieren uns selbst über unser Verhältnis zur der in uns abgespeicherten Bezugs-Welt. Die relative Konstanz unseres Wahrnehmungsfeldes, die wir dem Primat der Relations-Wahrnehmung verdanken, scheint einen größeren Überlebenswert zu haben, als der Nachteil davon wiegt, dadurch Täuschungen in kauf nehmen zu müssen.

Fragen Sie sich jeweils: was ist länger, größer (z.B. AB od. BC), gekrümmter?

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  2. KA_1B_v1
  1. KA_2A_v1
  2. KA_2B_v1
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  2. KA_3B_v1
  1. KG_3A_v1
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Enge Winkel schließen sich bei der Reizverarbeitung durch das Gesetz der Nähe subjektiv vergleichsweise mehr zusammen als weite. Es besteht eine subjektive Korrekturbereitschaft zum „rechten Winkel“ hin, der – vermutlich über die erlebte Gravitationskraft – ein prägnantes Gestaltmuster darzustellen scheint.- Vertikale Abstände werden beim Menschen als höher, bzw. größer bewertet und subjektiv verrechnet als horizontale. Vertikale Abstände zu überwinden ist für den Menschen von Anfang an lebensgefährlicher als horizontale.

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Durchlaufende Linien werden zu einem Ganzen zusammen gefaßt, auch wenn sie nur angedeutet sind; Bruchstücke werden ergänzt. Die Wahrnehmung einer Gesamtgestalt dominiert weitgehend die Detail- Wahrnehmung (eine Eigenschaft mit interindividueller Variabilität). Ein von umschlossenen Linien Umfaßtes wird eher zur Vordergrundfigur (= Gestalt) gemacht als eine offene, unbegrenzte Figur. – Verdecktes wird im Sinne des begonnenen Musters und/oder im Sinne der Erwartung ergänzt.- Bei einem unübersichtlichen, mehrdeutigen Ganzen bekommt ein in den Vordergrund geholtes Deutungsschema einer Rand- oder Eck- Formation die Tendenz, sich auf das restliche Feld auszudehnen und es nach seiner Logik zu organisieren. Fängt man bei einer anderen Ecke an, kippt die Organisation der Wahrnehmung, bzw. des Deutungsverständnisses um. Jedes mal entsteht zunächst die (trügerische) Evidenz, daß es nur diese eine, richtige Wahrnehmungsmöglichkeit gäbe.- Dies Prinzip ist auf alle mehrdeutigen Situationen übertragbar, – auch und vor allem im therapeutischen Bereich.

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  2. KD_2B_v1
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  2. KD_3B_v1
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  2. KE_1A_v1
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  2. KE_4A_v1

Das Sinnverständnis beeinflusst die Wahrnehmung in hohem Maße (Buchstabe oder Zahl?). Die Sinngebung vermag sogar das Gesetz der Ähnlichkeit außer Kraft zu setzen und unähnliche Reize (schwarze und weiße Flecken, imaginierte Konturen …) zu einer Vordergrundgestalt zusammenzufassen. Diese dominiert das Wahrnehmungsfeld, sobald sie gefunden ist. Dabei werden solche Reize, die die Vordergrundfigur nicht unterstützen, durch Bedeutungsentzug „heruntergedimmt“. Uneindeutigkeit ist schwer auszuhalten.

Gestaltwahrnehmung ist deutende Orientierungsarbeit, die Sicherheit zu geben scheint, auch wenn sie den Preis der Reduktion von Möglichkeiten und den von Täuschung zahlt. Je belastbarer ein Wesen (System) ist, umso mehr und umso länger kann es Uneindeutigkeit tolerieren.-
Ein Wahrnehmungsfeld, dessen Reizkonfiguration in etwa gleicher Stärke zwei oder mehrere Deutungsmöglichkeiten nahe legt, wird Kippbild genannt. Bei seiner subjektiven Festlegung auf eine der Möglichkeiten spielen die momentane Motivation und Antriebslage, die innere Haltung und die aktualisierten Erfahrungen eine größere Rolle. Konfliktbedingte Fixierungen auf eine Sichtweise oder Blockierung einer anderen sind möglich. Üblicherweise stellt sich nach einer Weile ein Sättigungszustand ein, der die Deutungsfigur lockert oder ganz zerfallen läßt und die Chance für eine weitere Wahrnehmungs-Konstellation frei gibt. – Die gleichzeitige Wahrnehmungs-Realisierung mehrerer Möglichkeiten überfordert im allgemeinen den menschlichen Intellekt, der nach eindeutiger Festlegung verlangt. Im ausgewogenen Zustand kommt es jedoch wenigstens zu einem fließenden Wandel der Gestaltwahrnehmung. So liegt die subjekive Konstanz paradoxerweise im Fluß des schöpferischen Geschehens.

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  2. KF_2B_v1
  1. KF_3A_v1
  2. KF_3B_v1
  1. KF_4A_v1
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